Willkommen
Über uns
Alltag
Schattenseiten
Aktuelles
Notfälle
- Hündinnen
- Rüden
- Junioren
- Senioren
- Sorgenkinder
- In Deutschland
Die Vergessenen
Katzen
Katzenstation in Not
Happy End 2017
Happy End 2016
Happy End 2015
Happy End 2014
Happy End 2013
Happy End 2012
Happy End 2011
Happy End 2010
Happy End 2009
Happy End 2008
Atilas Tagebuch
In Memoriam
Krankheiten
Kontakt
Ansprechpartner
Kaufen und helfen
Ihre Hilfe
Danke
Buchempfehlungen
Links
Impressum



Atila

weiter  

Atilas Tagebuch

Tagebücher haben einen besonderen Wert. Sie können zu einem Stück deiner Selbst werden.
Und manchmal ein Spiegel deiner Seele sein. Zuweilen werden sie zu einem guten Freund.
Sie hören dir zu, ohne etwas dafür zu verlangen.
Ganz still verharren sie  und schweigen über alles, das du ihnen anvertraust. Sie sabbern nicht und sie essen dir nix weg. Obwohl ich natürlich gern alles teilen würde. Wenn man ein Glück geschenkt bekommen hat, dann muss man auch an die denken, die keines bekommen haben. Darüber habe ich immer nachgedacht, als ich einsam war und von allen verlassen. Als ich solchen Hunger hatte und die Schmerzen in meinem Bein einfach nicht aufhörten, weh zu tun. Die Nächte waren lang. Und die  Angst vor dem Morgen hörte nicht auf. Denn ich wußte nicht, ob ich den nächsten Tag noch leben durfte 
oder nicht.  Das tat noch mehr weh als die Schmerzen in meinem Bein.
Liebes Tagebuch ...  ich möchte dir heute sagen, dass alles Schlimme nun vorbei ist. Jeden Abend gehen
Mamusch und ich vor das Haus und schauen in den Himmel. Ja ... er ist noch da. Der wunderschöne Stern.
Und alles, was geschah, ist kein Traum. Es ist Wirklichkeit. Da gibt es Menschen, die lieben und fühlen, als wären sie einer der unseren. Sie sorgen sich und versuchen, gegen all das Leid anzukämpfen, das mir widerfahren ist und all meinen Kameraden und Kameradinnen täglich angetan wird. Von den anderen Menschen. Den grausamen. Von denen, die nicht wissen, was sie tun. Die nicht ahnen, dass auch das Tier von den Göttern berührt worden ist. Es wird sie immer geben. Man kann sie nicht wegwünschen.  Man darf sie auch nicht hassen. Denn sie hassen sich selbst und werden an einem Tage daran zugrunde gehen. Das Gute lässt sich nicht be-
stechen. Nicht heute und nicht morgen. Niemals.
 
Nun lebe ich schon vier Wochen in meinem neuen Heim. Es ist schön, glücklich sein zu dürfen
 
Paps hat ein so weiches Herz.

Wenn ich hungrig gucke, dann grabbelt er in der Leckerdose herum. Es ist eine wunderbar schöne und bunte Dose und ich stehe des Öfteren davor und überlege, wie man sie aufbekommt. Dann frage ich "Kleiner Bruder", meinen Freund. Der aber zieht drei von seinen einundreißig Falten sechs Zentimeter nach vorn und schüttelt seinen Riesenkopf.

Das ... sagt er, darfst du nicht!  Na gut, dann eben nicht. Ich weiß ja, dass meine schlanke Linie bestehen bleiben sollte, und ausserdem  werde ich jeden Tag satt. Ein gutes Gefühl ist das.
Ab und an überkommt es mich natürlich noch. Wie vor einigen Tagen  die  Sache mit der Gulaschsuppe. Ja ... es tat mir so leid. Wirklich! Aber ein Teufelchen  gab mir den Rat, alles aufzuessen. Das war gar nicht so einfach. Nein ... nicht das Ausschlecken des Topfes, sondern die Angelegenheit mit dem Topfdeckel. Der musste ja erstmal herunter. Und das möglichst leise. Danach musste ich meinen Hals sehr lange biegen und biegen, damit mein Kopf senkrecht in den Topf passte und ich auch alles ordentlich ausschlecken konnte. Als das Teufelchen bewundernd nickte und schließlich schwieg, da waren nur noch drei kleine Pilze und eine Kartoffel drin. Paps mußte leider etwas anderes essen. Und überhaupt, wir alle warteten gespannt darauf, was bei mir hinten wieder raus kommt. Aber alles war wie immer. Nix mit Durchfall. Kleiner Bruder meinte mit Respekt, mein Magen wäre einer wie bei diesen großen hörnigen Tieren. Ich glaube, er meinte ein Nilpferd. Ich werde es nie wieder tun. Versprochen.
Liebes Tagebuch, heute abend möchte ich dir noch etwas sehr Wichtiges anvertrauen. Denn es ist ein Wunder geschehen.
Ja .. heute am Abend. Vielleicht sind auch meine Gebete erhört worden. Denn Paps und Mamusch werden noch ein Leid aus Curacanis nach Hause holen. Kleiner Bruder hat ein bisschen gesabbert. Aber er wird es überleben. Und auch er hat doch ein so weiches Herz ... Yayo  wird es sein, wenn es möglich gemacht werden kann.
Wie ich schon sagte ... wenn man ein Glück geschenkt bekommen hat, dann muss man für die beten, die noch keines haben.
 
Die Engel haben Ausgang.
 

10.August und schon recht spät am Abend
 
Liebes Tagesbuch,
so folgt ein Tag dem nächsten und noch immer träume ich so vor mich hin. Aber weißt du, es ist so schön hier zuhause und deshalb habe ich beschlossen, mich ein wenig als Innenarchitekt nützlich zu machen. Damit meine Familie weiß, was sie an mir hat. So trage ich meine Kuscheldecke und eben die Dinge, die man zum gemütlich sein braucht, von hier nach dort ... sieht doch gleich ganz anders aus. Kleiner Bruder findet das doof. Er bleibt da, wo er ist und basta!  Na ja, er ist ja auch schon ein wenig betagt, und ältere Wesen wechseln nicht gern ihre Stätte. Heute ging es ihm nicht ganz so gut. Ich habe ihn beobachtet, denn im Falle eines Falles hätte ich mich ganz nahe an ihn gelegt, um ein wenig Trost zu spenden. Freunde müssen zusammen halten. Aber er wollte erst seine Kreislauftropfen einnehmen, bevor wir zusammen halten.
Und heute, liebes Tagebuch, muss ich dir etwas sehr Wichtiges erzählen. Denn Kleiner Bruder ist der geborene Philosoph. Ist mir nie aufgefallen. Doch nun kenne ich ihn ja schon ein Weilchen. Wenn er also seine Falten sortiert und seinen Blick auf einen Punkt nach irgendwo richtet, dann  philosophiert er.  Wir haben lange, ja sehr lange miteinander gesprochen.  Zuerst haben wir natürlich darüber gesprochen, was man alles essen kann und was nicht. Aber eigentlich, meint Kleiner Bruder, kann man alles essen, was einem schmeckt, nur die Pupserei ist nicht von schlechten Eltern! ( Ich erinnerte mich zaghaft an die geklaute Gulaschsuppe und meine Pupse). Bevor ich es vergesse ... Paps hat heute Frikadellen gebraten. Mit Fleisch, Nudeln und Reis und klitzekleinen Wurststückchen (als Geschmacksverstärker), Kleiner Bruder bemerkte sofort meine aufmerksamen Blicke. "Die sind natürlich für mich, weil ich nicht mehr so beißen kann wie du", bekam ich sogleich mein Fett weg.  Ja, ja, versteh ich doch, war aber sicher, dass für mich was abfällt und zwar in meinen Futternapf!  An dieser Stelle ...  es passierte so, wie ich vermutete!  Aber nun zu dem, was ich eigentlich sagen wollte. Also, heute habe ich einige Lektionen von meinem Freund gelernt. Nämlich ... die Sache mit den Schmuseeinheiten. und die mit den Leckerchen. Du musst einfach nur stumm da liegen und traurig gucken. So, als hätte es heute noch nix zu essen gegeben. Kommt Paps oder Mamusch mit eiligen Schritten, dann bloß nicht den Kopf heben oder sich freuen. Einfach nur da liegen!  Wie ein Keks. Und schon raschelt es in der Leckerdose, (wenn auch nur ein Stückchen, wegen meiner schlanken Linie), aber immerhin!  Und einer nimmt dich immer in den Arm, entweder Paps oder Mamusch. (Ich guckte also besonders traurig) , tja, was soll ich sagen? Guter Tipp.
Dann habe ich gelernt, dass man nicht spazieren rast, sondern geht. "Du musst unbedingt ein wenig gelassener werden", meint Kleiner Bruder. "Sobald die Tür aufgeht, dann fliegt Mamusch hinter dir her wie ein Papierfalter. Und was sollen die Leute denken, wenn ihr daher geweht kommt? Und bitte bedenke, dass die Autotür nach außen aufgeht und nicht nach innen. Das heißt, die kleine Gehirnerschütterung in Mamuschs Kopf muss erst ausheilen, bevor du ein nächstes Mal mit all deiner Kraft dagegen fällst, damit sie schneller aufgeht und du ab in den Wald laufen kannst!   ( Ich habe versprochen, gelassener zu werden)!  Es ist ganz schön schwierig, so gelassen und schwer seufzend wie  ein kleiner Elefant mit ohne Rüssel zu sein! Ich könnte vielleicht ein wenig gelassener gucken... alles andere kommt von allein. (Sagt Paps) .  Und der weiß alles. Wir Männer sind eben so. Seit einigen Tagen helfe ich auch mit, unsere Leute zu wecken. Und das geht folgendermaßen ... sobald wir davon überzeugt sind, dass Paps und Mamusch genug geschlafen haben, drängeln wir so lange unter der Bettdecke herum, bis alles auf dem Boden liegt, was vorher im Bett lag. Das ist eine sehr anstrengende Angelegenheit, lohnt sich aber immer und jeden Tag neu. Weil es dann nämlich kleine Frühstücksbütterchen gibt.  Ja ... das Leben ist eine Wundertüte. 
Trotzdem denke ich jeden Tag an meine Kameraden in dem fernen Land. An diejenigen, die noch kein Glück bekommen haben. Kein kleines und kein großes Glück. Für die Menschen, die uns lieben,  möchte ich ein kleines Zitat aussprechen.     

       Wenn selbst die Hoffnung in deinen Augen hoffnungslos bleibt, werde ich neben dir ausharren ... die ganze Zeit, während du weinst. Wenn aber Tränen der Freude herab zu deinen Lippen rinnen, so wird auf den meinen ein Lächeln sich widerspiegeln .

Dein Atila Morgenstern

 

An dich ... liebes Tagebuch.

 
"Bitte lass uns hinaus in die Nacht gehen und nachschauen, ob der Stern noch da ist", stupse ich Mamusch so lange vor die Schienbeine, bis wir endlich vor das Haus gehen. Ja ... da ist er. Ich glaube, heute scheint er besonders hell über unserem Haus. Wäre Kleiner Bruder bloß mitgekommen, dann hätte er seinen Kopf wohl genauso in den Himmel gereckt wie ich. Aber er hat mal wieder alle Viere weit von sich gestreckt, (wie er mir noch gestern anvertraute ... legt er sich deshalb am Abend so, damit sein Popo lüften kann)!  In dieser Angelegenheit möchte ich nichts dazu sagen!  Gleich morgen früh werde ich ihm sagen, was er verpasst hat in dieser wundervollen Nacht. Mamusch und ich sahen also mit angehaltenen Atem in den Himmel. "Meinst du, er würde mit mir sprechen?" Sie sah nachdenklich aus. Und etwas traurig. "Ja, er hat auch mit mir schon gesprochen. Aber ich habe es niemanden erzählt. Manche Menschen glauben nicht an sowas und würden darüber lachen!" 
"Was hat er denn zu dir gesagt?"  "Oh ... sehr viele Dinge!" Manchmal habe ich meine Wünsche ganz hoch in den Himmel geworfen, in der Hoffnung, dass der Stern sie sortiert und den einen oder anderen Wunsch genehmigt. Mitunter waren es nämlich so viele Wünsche, dass ich beinahe ein schlechtes Gewissen hatte.  Also, zuerst habe ich mir gewünscht, dass stets ein kleiner Engel einen Schritt hinter den Menschen ist, die ich von Herzen lieb habe, und sie vor unüberlegten Schritten warnt. Unüberlegte Schritte kann man schnell getan haben, weißt du! Vor einigen Monaten ist jemand fortgegangen, der genau so ein Glück verdiente, wie du eines verdient hast. Nun ist er nicht mehr bei uns. Es hat sehr weh getan, und ich bat den schönen Stern, gut auf unseren Freund zu achten. Er versprach es und war eine lange Zeit nicht mehr dort, wo er jetzt wieder leuchtet."  "Sicherlich hat er den Freund woanders hingetragen und konnte deshalb nicht an seinem Platz stehen. Glaubst du, er hat ihn in das Anderland begleitet? Dort, wo auch die in ihren Tränen ertrunkenen, und diejenigen aus der Tötungstation hinreisen? Und jene, die ein schönes Leben hatten und glücklich gestorben sind?"
"Der Stern hat mir ein Geheimnis anvertraut. Und er hat gesagt, dass ich es denen erzählen darf, die Geheimnisse fest in ihren Herzen einschließen und nicht darüber lachen werden."
... Man sagt, alle Tiere werden in dem Land der vier Himmel geboren und kehren letztendlich dorthin zurück.
Es ist ein weites, so herrliches Land mit blühenden Wäldern, moosbedeckten Hügeln und hohen dunkelgrünen Wiesen, so weit man schauen kann.
Eine leichte Brise weht über den sacht dahin fließenden, samtblauen Bächen. Der Waldboden von pastellfarbenem Sand ist weich und warm. Kleine Sterne spiegeln sich in der Erhabenheit der Firmamente. In ihrem Licht der Zauber ewiger Tag- und Nachtgleichen. Die Zeit beschweigt träumend ihr tiefstes Geheimnis.
Niemals würden die Tiere dieses Land gegen ein anderes eintauschen. Sie verspüren weder Hunger noch Durst. Auch keinen Schmerz. Mitunter toben sie über die Wiesen und über die Hügel. Am liebsten aber jagen sie dem Wind hinterher. Und manchmal ... da sitzen sie zusammen und erzählen sich kleine Geschichten. Viele von ihnen kehrten schon einige Male zurück in dieses Land. Aus ihren Geschichten, die sie erzählen, klingt Wehmut. Denn sie haben jene verlassen, die sie geliebt haben. Das ... sagen sie, war ein wirklich sehr schwerer Gang. Dann gehen sie gemeinsam durch den Wald und beobachten den Wind, der sich in den Kronen eines uralten Baumes niedergelassen hat und leise summend ein Netz aus den Halmen der Wiesen bindet. Drüben, weit hinter den Hügeln, lichtet sich eine kleine Anhöhe. In feinstem Kristall scheinen die dahinter spitz zulaufenden Berge zu leuchten. Eintausend Schritte durch die Berge hindurch führt ein schmaler Gral zu einem von violettfarbenen Lilien umsäumten Tal und endet an einer, von Engeln aus weißen Steinen gemauerten Brücke, zu dessen Anfang und Ende, vor dem aus Sternenseide geflochtenen Knauf, zwei Schmetterlinge den Frieden des ewigen Tales bewachen. Die Brücke verbindet das Anderland und das der Menschen auf der Erde. Man sagt, wenn Sonne und Mond zugleich ihr Gesicht in den Nebeln der Erdenwelt verbergen, so erwacht die Zeit aus ihren Träumen, und ihr leises Aufseufzen hallt in der purpurnen Röte der vier Himmel wider. Sie beugt sich zu den Tieren herunter. Verfangen in dem pulsierenden Rhythmus ihrer endlosen Liebe harren sie dicht aneinander gedrängt aus. Bis eines von ihnen lauschend innehält und zu der Brücke aufsieht. Die kleinen Sterne aus der Purpurne neigen ihr Gesicht gen des Tales und aus der Mitte derer, die dicht aneinander gedrängt ausharren, löst sich eines, des von der Zeit gewählten Tieres, und macht sich auf den Weg durch die Berge. Es wandert durch das ewige Tal, bis hin zu der geheimnisvollen Brücke. Die anderen Tiere, die währenddessen nicht von seiner Seite wichen, bleiben ihm so nahe, dass ihr Atem einander berührt. Ein Regenbogen neigt sich tief über die Brücke herab. In seinem Farbenspiel die sieben Gebote auf dem weißen Stein. Von seiner flirrenden Helle geblendet, steht der Auserwählte vor Anbeginn der Brücke. Zögernd, beinahe ängstlich, diesen schönen Ort verlassen zu müssen und die Freunde, mit denen er dem Wind hinterher jagte, begeht er den ersten Stein. Doch dann läuft er schneller. Immer schneller. Ja, schneller als der Wind wird er. Und wie er die Brücke überquert, so beginnt er zu vergessen. Er vergisst den purpurnen Himmel und das samtene Blau des Baches, die dunkelgrünen Auen und auch die edel geformten Kelche der Lilien verblassen. Selbst der Wind, der sich so gern jagen ließ ...
Und diejenigen, die es sehen, wünschen ihrem Himmelsfreund Glück. Ganz viel davon. Sie wünschen ihm ein schönes neues Leben. In welcher Gestalt auch immer er in diese andere Welt einkehrt. Sie wünschen ihm einen Menschen, der ihn liebt und achtet, als wäre er einer von ihnen...
 
"So eine schöne Geschichte. Und was passiert dann?" 
 
"Dann sitzen sie noch ein Weilchen zusammen und hoffen, ein Stückchen des Regenbogens erhaschen zu können. Wenn die Zeit sich in ihren Träumen verliert, kehren sie zurück in den Wald und erzählen sich kleine Geschichten."  
"War auch ich schon auf dieser schönen Brücke?"
".Vielleicht hast du es nur vergessen."
"Denkst du manchmal darüber nach, dass der Freund, von dem du erzählt hast, nun auch über diese Brücke ging? In ein neues Leben?"
"Er hätte es wirklich verdient. Ein schönes neues Leben. Wussest du, dass in jedem neuen Leben ein Stückchen alte Seele verweilt? Wir werden irgendwann den Stern fragen. Der wird es bestimmt wissen."
"Viele meiner Freunde wären sicherlich lieber in dem purpurnen Land geblieben, wenn sie gewußt hätten, welches Schicksal auf sie wartet!"
"Das sagen manchmal auch die Menschen. Alles, das geschieht, mag seinen Grund haben. Und du weißt ja, es gibt einen Gott der Gerechtigkeit. Dein Schicksal und das meine, sowie das aller Wesen war schon, bevor wir waren. Das ist eben so!"
 
... Ja, so war das, als wir vor dem Haus standen und den Stern ansahen. Aber nun, liebes Tagebuch, muss ich schlafen. Denn morgen ist ein neuer Tag. Und jeder neue Tag kann ein Glück mit sich bringen. Ein kleines und manchmal auch ein großes.
Ich werde mich nun heimlich auf Mamuschs Kuschelsofa schleichen und so tun, als schliefe ich schon fest. Wenn ich meinen Popo nicht lüfte und stumm wie ein Keks liege, darf ich sicherlich dort bleiben. Der Weg zum Kühlschrank ist zwar etwas länger ... oh, da fällt mir ein, dass Paps spätestens übermorgen diese leckeren Frikadellen wieder braten muss.
Bald kommt Yayo. Mit dem Flugzeug. Ich werde berichten.

Gute Nacht, ihr Sterne.

18. August

Bitte erschrecke nicht, liebes Tagebuch.
Ich bin es. Yayo.
Yayo aus Spanien.
Ich weiß, du  bist nicht mein Tagebuch, deshalb entschuldige, dass ich in dir herum blättere.
Werde auch nur das lesen, was für mich von größter Wichtigkeit sein könnte. Mein neuer Freund, Atila, hat es mir erlaubt. Heute kann er nicht selbst die Buchstaben auf das Papier malen, weil er leidend auf seinem Lager verweilt. Mamusch  hat mit ernster Miene einen Schmaltag verordnet, und Paps sah um die Stirn herum aus wie Kleiner Bruder, als er von dem Vorfall des Bohnensalates erfuhr, dem er einfach nicht und nimmer widerstehen konnte. Dann kam die Pupserei und der Durchfall ... aber alles wieder im grünen Bereich. Atila hat mir anvertraut, dass die Soße am leckersten war.  Doch ich soll es niemandem weiter erzählen außer dir. 
Da sitze ich nun und träume bei einer schönen Musik vor mich hin.  Vor vier Tagen bin ich angekommen und ... was soll ich sagen, alles war so aufregend. Und angsteinflößend. So viele Stunden in meiner Box musste ich ausharren. Dann diese Menschen! Sie waren laut. Fremde Gerüche. Die lange Fahrt in mein neues Zuhause. Ja, ich hatte große Angst. Aber sie war unbegründet. Denn ich habe eine Familie bekommen. Noch nie in meinem Leben habe ich eine Familie gehabt. Zuerst habe ich darüber nachgedacht, was eine Familie ist. Und wer darin derjenige ist, der einem was zu Essen gibt. Gibt es einen Rudelführer? Und was kostet der ... ? Wird diese Familie mich auch auf der Tötungstation  entsorgen, weil ich ein Philosoph sein möchte und kein Jagdhund? Wird es Schläge geben, wenn ich nicht sofort gehorche ... oder Tritte in den Rücken?   Muss ich bei Wind und Wetter draußen schlafen?   ...Oh, ja, es waren so viele Fragen auf einmal, die mir große Sorgen bereiteten. Aber nun ist doch alles noch gut geworden. Selbstverständlich wurde ich von Atila über die Rangordnung informiert.  Also, der Chef von das Ganze ist Paps ...  denn der muss uns alle ertragen! Dann folgt Kleiner Bruder, der ist alt und weise, und manchmal muffelt er ein bisschen . Das kommt daher, weil er mit offenem Fang schnarcht. Atila ist, seitdem ich hier wohne, erster Vorsitzender geworden. In allen Dingen, die mit Essen zu tun haben und deren Folgen. Mamusch bleibt Mamusch. Sie zeigt ein wundervolles Scherengebiss, wenn wir alle zusammen kuscheln. In allen Dingen ist sie gut zu handhaben. Wenn ich zum Beispiel traurig gucke. Oder versehentlich Pipi auf dem Wohnzimmerteppich gemacht habe. Alles braucht seine Zeit, sagt sie. Und wir haben alle Zeit der Welt. Seit gestern weiß ich, dass man innerhalb der Familie kein Pipi macht, sondern draußen an der frischen Luft. Das ist auch viel gesünder! Liebes Tagebuch, was ich dir eigentlich anvertrauen wollte, ist mein schlechtes Gewissen. Denn vorgestern passierte folgendes; wir bekamen eine Leckerei. Zuerst wußte ich gar nicht, was eine Leckerei ist, doch Atila nickte mir schmatzend zu. Oh, es war so köstlich! Aber ich erinnerte mich daran, dass man sein´Essen aufteilen muss. Für schlechte Tage. An denen es nichts gibt! An denen man hungern muss. Ich aß so viel, dass der Rest für den nächsten Tag reicht und für den übernächsten und für den über- übernächsten Tag.  Aber ein Versteck dafür musste ich doch auch finden und beschloss, mein Hab  in die Ablage für wichtige Unterlagen zu verbuddeln. Da lag es sicher. Kleiner Bruder wollte bestimmt nur vermitteln und mir sagen, dass ich keine Angst davor zu haben bräuchte, dass Paps es auffuttert oder gar er selbst. Knurrend verteidigte ich also meinen Besitz, und als er nicht damit aufhörte, immerzu in die Ablage zu gucken, da habe ich ihn gebissen und verjagt. Er war sehr erschrocken. Ja, das muss ich an dieser Stelle zugeben. Und es tut mir sehr leid.    ...Weißt du, hatte Atila ein Weilchen später die Wogen wieder geglättet, der Yayo hat es nicht so gemeint, wie er zu gebissen hat. Du musst verstehen ... viele, sehr viele von uns kennen kein Glück. Auch kein klitzekleines. Keinen warmen Platz und auch keine Hände, die liebkosen. Geschweige denn eine Milchkaustange oder ein Bütterchen mit dünn Leberwurst drauf. Du aber hattest immer ein großes Glück. An jedem Tag deines Lebens!  Kleiner Bruder dachte nach. Er dachte den ganzen Abend und die ganze Nacht über diese Worte nach. Ich weiß es daher, weil er nicht geschnarcht hat und Paps den Fernseher nicht lauter stellen musste. Am nächsten Tag haben wir uns vertragen.   ..."Ich teile gern mein Glück mit dir!"  Jawohl, das hat er zu mir gesagt.  Dennoch fühlte ich mich nicht gut. Aber ich werde versuchen, mich zu bessern. Versprochen. Aber nun, liebes Tagebuch, möchte ich meinen Bericht beenden. Muss gucken, ob Atila und Kleiner Bruder schon die Schmusestunde eingeläutet haben. 
 
Ps. lieber Gott
wenn du jetzt gerade in dieser Minute einen Augenblick Zeit hast, dann bitte wirf deinen Atem über diejenigen, die in dem fernen Land mit mir geweint haben, als ich zum Sterben verurteilt wurde.
Wirf deine guten Wünsche herab auf diese Menschen, denn sie haben es verdient. Und wenn es dir möglich ist, so sprich ein Gebet. Für die anderen. Für die, die uns richten, nur weil sie aufrecht gehen.
Und entschuldige noch einmal die Angelegenheit mit Kleiner Bruder. Aber du weißt ja, wie schwer es für mich war. Als ich mich durchboxen musste. Als ich mein kleines Leben verteidigt habe. Auf biegen und Brechen. Dort in der anderen Welt..
Danke, lieber Gott.
Dein Yayo

 

an dich, mein alles verstehender und stillschweigender Freund,
 
ich habe dir heute so viel zu erzählen.
Aber erstmal möchte ich dir sagen, dass es mir wieder gut geht. Und eigentlich waren es nicht nur die zarten Böhnchen in leckerer Kräutersoße, die mir so zu schaffen machten, als mir der Schmaltag verordnet wurde, und Paps  obenrum aussah wie Kleiner Bruder. Nein ... es war etwas anderes. In meinem Herzen ging es mir nicht gut. Es war wegen Yayo. Oh, natürlich habe ich mich auf ihn gefreut, und ich habe ihm auch ein ganz großes Glück gewünscht. Sogar einen Keks bewahrte ich für ihn auf. Aber leider habe ich ihn versehentlich aufgegessen. Sechs Stunden können unendlich lange sein, weißt du!  Zuerst versteckte ich die Leckerei in den Ritzel meines Liegebettes. Damit niemand mehr es sah ( ich auch nicht). Dann habe ich mir Gedanken gemacht. Die Luftfeuchtigkeit war an diesem Tag einfach zu hoch. Und so kramte ich es also wieder hervor und schleckte die Kanten sauber. Bis der Keks immer kleiner wurde. Weil es irgendwie doof aussah, habe ich ein schönes Muster drum herum geknabbert.  Meine Kreativität nahm mich so in Anspruch, dass hinterher nichts mehr übrig war. Aber niemand bemerkte mein schlechtes Gewissen, denn alles war sehr aufregend an diesem Abend, beinahe war es ja schon Nacht, als Mamusch heim kam. Mit Yayo. Ich mag ihn. Und Kleiner Bruder mag ihn. Wir werden ihn beschützen. Weil er kleiner ist und so zart. Und weil er noch nie ein Glück bekommen hat. Aber ich habe mir Sorgen gemacht. Es waren ziemlich große Sorgen. Ich hatte Angst davor, dass ich vielleicht nun nicht mehr Atila Morgenstern bin. Dass die Schmusestunden ausfallen ... die Spaziergänge am Abend, ganz allein mit Mamusch. Wie kann sie zwei große und einen kleineren Kopf , und den von Paps gleichzeitig liebkosen, ohne dabei umzufallen? Wird ihr Herz vielleicht noch ein wenig wachsen können, so dass es für alle reicht. Und für mich am meisten? Ja, es lag eine große Last auf meiner Seele, denn auch Mamusch war an den ersten Tagen ein wenig desorientiert. Als Paps ihr einmal ... nur so .. ein Küsschen geben wollte, da rief sie aus ... aber du sabberst ja beim Küssen! Natürlich meinte sie Kleiner Bruder. Weil der ja immer sabbelt, egal, wen er gerade knutscht. Gestern am Abend erst habe ich mich getraut, ihr meine Sorgen auszubreiten. Ich glaube, dass sie sehr traurig darüber war, was ich zu sagen hatte. Wir waren lange, sehr lange auf dem Kuschelsofa gesessen. Ganz eng zusammen gerückt. Und sie sagte mir nach unendlich langem Schweigen, dass ich  Atila Morgenstern bleiben werde. Heute und morgen und solange, bis in der Hölle das Feuer zu Stieleis gefriert. Und ich sagte: ,,Ich liebe dich, Mamusch! "  ...Keks sei dank ... manchmal wird alles von alleine gut. Als Zeichen unserer Solidarität dem Yayo gegenüber haben Kleiner Bruder und ich nun beschlossen, dass wir eine gemeinsame Pinkeltanne nutzen werden. Das heißt, in Reih und Glied aufstellen und zwar der Größe, sowie der Rangordnung nach. Eigentlich hätte Paps das Vorrecht, als Chef von das Ganze, zuerst sein Bein zu heben. Aber er entschuldigte sich wegen eines wichtigen Termines und konnte nicht kommen. Also ... konzentriert  zuerst Kleiner Bruder, dann ich und schließlich Yayo sich  auf dieses Vorgehen. Das hat auch den Vorteil, dass wir geschlossen den Rückweg antreten und nichts Außergewöhnliches verpassen.  Ich gebe mein Bestes, Mamusch zuliebe, in Allem ein wenig ruhiger zu werden. Ja, ich weiß... nie werde ich so graziös und gazellenhaft wie Yayo dahin schweben können, Selbst Paps fällt es auf, dass ich mir wirklich Mühe gebe und ich glaube, es hat etwas mit Positives Denken zu tun, wenn er mich liebevoll "Bauer Heinrich" nennt. Denn ich erkundigte mich alsgleich bei Mamusch, was ein Bauer Heinrich ist und ob man ihn essen kann und für wie lange es reicht. Sie sagte, dass ich stolz auf das sein könne, das Paps lobend erwähnt. Also kann man es nicht weg futtern! 
Liebes Tagebuch, nun ist es wieder einmal tiefe Nacht geworden. Es ist eine so schöne Zeit. Die schönste, um wichtige Buchstaben auf das Papier zu malen. Mamusch sagt, diese Ruhe und der Frieden zu solch einer Zeit ist unbezahlbar. Wir werden später noch hinaus vor das Haus gehen und zu dem schönen Stern auf sehen. Kleiner Bruder, Yayo, Mamusch und ich ... Atila Morgenstern. Wir möchten ein Gebet hinauf schicken in die Weite des Himmels. Für Tara. Sie ist über die geheimnisvolle Brücke gegangen. In die andere Welt. Es ist so traurig. Denn sie war auserwählt, ein schönes Zuhause zu bekommen. Aber sie hatte Angst und lief fort. Sie irrte viele Tage durch die Straßen. Dann war sie wohl unachtsam oder einfach zu schwach, dem herannahenden Auto auszuweichen ... Sicherlich jagt sie mit den anderen, die schon ein Weilchen in dem ewigen Tal wohnen, dem Wind hinterher. Weil er sich so gern jagen lässt. Vielleicht erzählen sie sich auch kleine Geschichten. Ich habe Tränen gesehen, in Mamuschs Augen. Wenn wir das schöne Gebet hinauf geschickt haben in den Himmel, werde ich mich nahe an sie kuscheln und ich werde ihr sagen, dass ich sie lieb habe. Und Paps . Und Kleiner Bruder. Und Yayo.
        Vielleicht hat es etwas mit Glück zu tun ..
dass wir nicht wissen, wohin des Weges uns das Schicksal führt.
Rastlos wären wir auf der Suche nach dem Regenbogen,
und nichts mehr bliebe unberührt.
Eilig käme bald die Zeit daher ...
und ließe uns daran zerbrechen.
        Unsere Träume lägen stumm in Ketten.
 
Nun gehen wir hinaus zu dem Stern und sprechen ein Gebet...
 
auf bald, mein Freund. Dein Atila Morgenstern
 weiter 

 

 

 

 

 

 

Weiter